8. März 2009

Nachgefragt 01: Was tun in der Krise?

In unserer neuen Rubrik “Nachgefragt” präsentieren wir Meinungen von Betroffenen, Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen ebenso wie zu Themen der Zukunft. Als erstes haben wir unseren Gesprächspartnern folgende Fragen gestellt:

1. Ist die so genannte “Wirtschaftskrise” auch in Ihrer Region und in Ihrem Netzwerk/Cluster angekommen?

2. Wenn ja, was kann ein Cluster in Zeiten der “Wirtschaftskrise” tun für seine Mitglieder?

André-Bastian Soudah, Clustermanager der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland, meint dazu:

1. In der Region ja. Im Netzwerk natürlich auch. Aber hier ist das Verhalten der Unternehmen zu unterscheiden: Große Unternehmen agieren im Moment sehr vorsichtig und hinterfragen alle Aktivitäten und Kostenpositionen, hier laufen klare Programme ab, die bestimmten Mechanismen folgen. Kleinere Unternehmen haben den Vorteil, dass Sie flexibler agieren können. Liegt auch sicherlich daran, dass die Kreditfinanzierung hier in erster Linie über Sparkassen und Genossenschaftsbanken funktioniert. Der Clusterprozess wird in diesem Zusammenhang aber nicht in Frage gestellt.

2. Die Mitteldeutschen Clusterprozesse könnten aus der Krise gestärkt hervorgehen, da die regionale Verankerung in Krisenzeiten ein noch größerer Standortvorteil sein kann. Dieser Vorteil ist aber erst dann zu realisieren, wenn man die Vernetzungsstrukturen zu nutzen weiß. Sicherheit bei Projekten entsteht in diesen Zeiten mehr als zuvor durch Nähe zum Kooperationspartner. Im operativen Clustergeschäft ist sonst eher “business as usual” angesagt. Hört sich nicht spannend an; Kontinuität ist in diesen Zeiten schon ein Wettbewerbsvorteil.

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Dr. Wolfgang Sening, Manager des Clusters Medizintechnik Bayern, beantwortet die Fragen so:

1. Im medizinischen Bereich ist die Beunruhigung (noch) nicht so groß. Die Branche ist doch deutlich stabiler als andere. Den Kauf eines neuen Autos kann man als Privatperson verschieben, ein neues Hüftgelenk aber nur schwer. Allerdings wird sich die Krise, sollte sie länger andauern, auch auf das Gesundheitswesen niederschlagen. Viele Zulieferer sind jetzt schon betroffen, da meist neben MedTech auch Automotive und andere Branchen beliefert werden.

2. Nach jeder Krise wird die Wirtschaft auch wieder anziehen, dann kommt es darauf an, mit möglichst innovativen Produkten am Start zu sein. Es gilt also, jetzt keinesfalls die F&E-Mittel zu kürzen, denn die Innovationen und Neuentwicklungen von heute sind die Gewinne von morgen.

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Allgemein heißt es ja, dass Branchen wie Pharma und Medizintechnik von der Wirtschaftskrise weniger betroffen sind. Viele Zulieferer in der Medizintechnik-Branche sind jedoch auch in anderen Sektoren wie etwa Automotive engagiert, in denen es nicht so rosig aussieht. Und wir sehen vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen auch im Medizintechnik-Sektor, dass es schwieriger wird, an Gelder für Forschung und Entwicklung heranzukommen, weil die Banken derzeit sehr zurückhaltend agieren. In so einer Situation kann ein Cluster natürlich helfen und ganz konkrete Programme und Alternativen in Sachen F&E-Finanzierung aufzeigen und auch initiieren.

Dr. Andreas Weißflog ist Clustermanager von timm Mittelhessen, dem “Kooperationsnetzwerk für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen und der Wetterau”.

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