8. Dezember 2008

Zahlen-Spiele & Realitäten

Harvard, die reichste Universität der Welt, hat im Laufe der Finanzkrise rund acht Milliarden Dollar verloren und muss nun sparen. Die Erkenntnis internationaler Fachleute lautet also: Die Finanzierung des Forschungs- und Bildungssektors sollte besser nicht zu wesentlichen Teilen von hochspekulativen Finanzmärkten abhängig sein. Bildung, Wissenschaft & Forschung (insbesondere Grundlagenforschung) sind auch zentrale Aufgaben des Staates. Wir haben’s ja schon immer geahnt.

Die Bemühungen der Staaten Europas, in die Bereiche der universitären Bildung, in Wissenschaft und auch anwendungsnahe F&E zu investieren, hat zu merkbaren Erfolgen geführt – nicht nur wissenschaftlicher, auch wirtschaftlicher Natur. Ein Land wie Österreich beispielsweise hat sich im letzten Jahrzehnt in Sachen Forschungsförderung von den hinteren Plätzen ins Spitzenfeld geschoben. Und die seit Anfang des Monats angelobte neue Bundesregierung hat in ihrem Regierungsprogramm auch wieder schöne Worte zur Forschungsförderung gefunden.

Allein, es gibt auch andere Lesarten, wie der Wiener KURIER in seiner Ausgabe vom 6. Dezember 2008 berichtet: Nach und nach sickern nun die vom Finanzministerium geplanten Kürzungen bei Forschungsgeldern in der gesamten Wissenschafts- und Forscher-Community durch. Und die Empörung ist überall groß: Haben doch die Sparmeister im Finanzministerium die Forschungsgelder unter dem Titel “Pauschalvorsorge” für die nächsten fünf Jahre von 2,35 Milliarden € auf 350 Millionen € zurückgestutzt.

Irgendwie ist es seltsam: Während Harvard innerhalb von vier Monaten acht Milliarden Dollar auf den Finanzmärkten verspielt hat (von insgesamt rund 37 Mrd. Dollar Hochschulvermögen) und nun Einschränkungen in Forschung und Lehre vornehmen muss, denkt die neue österreichische Regierung daran, in den nächsten fünf Jahren bei der Forschungsförderung zwei Milliarden Euro einsparen zu müssen. Und mit diesem Programm den “Forschungsstandort Österreich” international konkurrenzfähig halten zu können. Manchmal wünscht man sich richtig, dass ein Globalversprechen aus einer Regierungserklärung mehr zählt als ein Detailplan aus einem Umsetzungspapier …

Aber Hoffnung naht, denn schon im KURIER-Bericht werden die Kürzungen wieder dementiert: Bei der Erstellung des berühmten Budgetpfads der Regierung verschwanden plötzlich zwei Milliarden. Androsch protestierte bis hinauf zum Bundespräsidenten. Heinz Fischer hat sich daraufhin die Regierungsspitzen Werner Faymann und Josef Pröll auf die Seite geholt und ihnen bedeutet, dass Kürzungen gerade in diesem Bereich wohl nicht im Interesse des Landes wären, erzählt Androsch. Daraufhin haben Faymann und Pröll zugesagt, das rückgängig zu machen. Laut Androsch hätten sie von einem „Irrtum“ gesprochen, bis jetzt habe es vom Finanzministerium aber keine Rücknahme im vollen Umfang gegeben.

Vielleicht fragen sich die Regierungsspitzen Österreichs gerade, frei nach Nestroy: “Wer ist stärker: Ich oder ich?”

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