8. Januar 2009
Vater des steirischen Autoclusters übt heftige Kritik an seinem Kind
Herbert Paierl gilt als “politischer Erfinder der Cluster-Idee” und war für den Start eines der ersten europäischen Cluster (Autocluster ACstyria) im Jahr 1995 verantwortlich; wir haben im Clusterblog bereits darüber berichtet. Paierl arbeitet seit einigen Jahren in der Privatwirtschaft (und war vor Kurzem bei der Bildung der neuen österreichischen Bundesregierung Ende 2008 auch als Wirtschaftsminister im Gespräch). In der Ausgabe vom 9. Januar 2009 des Wirtschaftsblattes kritisiert Paierl nun die aktuelle Entwicklung im ACstyria sowie seinen politisch verantwortlichen Nachfolger im Amt des Wirtschafts-Landesrates, Christian Buchmann, heftig. Wirtschaftsblatt-Redakteur Andreas Kolb schreibt:
Zu wenig Präsenz bei zukunftsorientierten Themen wirft einer der geistigen Väter des steirischen Autoclusters, der frühere Wirtschaftslandesrat und jetzige UIAG-Vorstand Herbert Paierl, dem ACStyria vor. „Der Erfolg eines gut funktionierenden Clustermanagements ist nicht nur bei wirtschaftlichem Schönwetter zu messen, sondern vorallem bei schlechten Umfeldbedingungen, wie es sie insbesondere in der Automobil-Branche im Moment gibt. So gesehen verwundert es, dass der ACS gerade in dieser Situation nicht als großer Vorteil gegenüber anderen Regionen ohne Clustervernetzung gesehen und für ein starkes Krisenmanagement eingesetzt wird, sondern man versteckt und mancherorts sogar offen über die Automotivlastigkeit der Region jammert”, so Paierl.
Der ACStyria trete in der Krise zuwenig in Erscheinung: „Nur nach Förderungen zu rufen, genügt nicht. Gerade jetzt müsste man auf eine stärkere Forschung und Entwicklung, auf eine Weiterqualifikation der Mitarbeiter und zukunftsorientierte Maßnahmen drängen.” Denn es gelte, sich auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten: „Der Sektor Verkehr ist der weltweit stärkste Wirtschaftssektor und wird das auch nach der Krise bleiben.”
Paierl kritisiert auch die Inflation bei den Clustern, die in der Steiermark stattgefunden habe: „Es hilft nicht, wenn man sich politisch Stärkefelder in allen möglichen trendigen Branchen wie Biotechnologie oder Umwelttechnologie wünscht und dazu Cluster politisch ankündigt, aber das regionale Fundament, die kritische Masse dafür, maximal für ein Regionalliga-Match reicht. Die Clusterinflation der letzten Jahre ist diesbezüglich irritierend und bringt nichts.”
>> Beitrag im Wirtschaftsblatt vom 9. Januar 2009 im Wortlaut …
Starker Tobak für die Steirer. Was an Herbert Paierls Polemik könnte stimmen?
Tags: automotive, clustermodell, Politik, wirtschaftsförderung, wirtschaftskrise, wirtschaftsstrategie
20. Januar 2009
„Nur nach Förderungen zu rufen, genügt nicht. Gerade jetzt müsste man auf eine stärkere Forschung und Entwicklung, auf eine Weiterqualifikation der Mitarbeiter und zukunftsorientierte Maßnahmen drängen.”
Dem pflichte ich gerne bei und füge hinzu: Die Krise und Überkapazitäten können auch dafür genutzt werden, um sich endlich mal die ernsthaften Transformationsgedanken zu machen, die so manchem Unternehmen gut tun würden. Wie soll den das Unternehmen für die Zukunft aufgestellt sein? Was sind sinnvolle und zieldienliche Organisationsstrukturen? Was für ein Managementmodell ist zeitgemäß - nicht im Sinne von modisch, sondern von angemessen? Wie kann das Unternehmen lernen (respektive das Cluster!) mit der zunehmenden Unsicherheit und Unplanbarkeit umzugehen?
Dann wird diese Krise und auch jede weitere zur kreativen Chance.
7. Februar 2009
Es ist eine Sache laut zu kritisieren, die andere, sicher schwierigere jedoch, im eigenen Bereich ordentlich zu wirtschaften.
Beteiligungen an Unternehmen, viele Beteiligungen, verpflichten den Unternehmer auch den Mitarbeitern gegenüber, eine langfristige und stabile Strategie mit stabilen Arbeitsplätzen zu verfolgen.
Die aktuelle Situation der Firma Borckenstein gibt hier sicher genug Möglichkeiten für Herrn Paierl zu zeigen, wie man in einer schwierigen Situation unternehmerisch richtig agiert und somit seinen Mitarbeitern gegenüber auch seine Verpflichtungen einhält.