3. Juni 2008
Experten-Interviews, Teil 11, Wolfgang Sening, Cluster Medizintechnik Bayern
Der im Juni 2006 ins Leben gerufene High-Tech-Cluster Medizintechnik ist eine der insgesamt 19 Netzwerk-Organisationen der “Allianz Bayern Innovativ“. Bayern zählt zu den größten Produzenten und Exporteuren von Medizintechnik weltweit und deckt bei einem Exportanteil von 70 Prozent rund 30 Prozent der Gesamtproduktion Deutschlands ab. Mit dem Clustermanagement betraut wurde das seit zehn Jahren bestehende “Forum MedTech Pharma e.V.“. Vorstandsvorsitzender des Forums und Clustersprecher ist Prof. Dr. Michael Nerlich vom Klinikum der Universität Regensburg.
Sehr geehrter Dr. Sening*, seit Sommer 2006 sind Sie Manager des Clusters Medizintechnik. Ein junger Cluster, der allerdings bei dem bereits sehr lange und gut funktionierenden Netzwerk Forum MedTech Pharma etabliert ist. Wie sieht die Aufgabenteilung in der Praxis aus?
Wolfgang Sening: Das Projekt “Cluster Medizintechnik” ist synergetisch in das Forum MedTech Pharma e.V. integriert, ein international ausgerichtetes Netzwerk mit mehr als 590 Mitgliedsorganisationen aus 14 Nationen, nicht nur aus den Bereichen Medizintechnik, sondern auch aus dem Pharma- und Biotech-Sektor. Die Clusteraktivitäten wiederum verfolgen eine regionale Perspektive mit dem klaren Fokus auf Medizintechnik. Im Rahmen des Clusters ist es uns möglich, einen noch engeren und direkteren Kontakt zu den Akteuren aufzubauen. Ein thematischer Schwerpunkt des Clusters liegt in der Aus- und Weiterbildung für die Gesundheitswirtschaft. So unterstützen wir etwa die FH Ansbach bei der Einrichtung eines biomedizinischen Studienganges, der 2009 starten wird.
Welche Angebote fragen die Cluster-Unternehmen besonders nach?
Wolfgang Sening: Neben den Aus- und Fortbildungen begleiten wir unsere Mitglieder auch bei klinischen Studien, in Prüfverfahren, fördern Diplomarbeiten oder unterstützen Marktstudien. Auf große Nachfrage stoßen auch die großen und kleineren Fachtagungen und Veranstaltungen, wobei wir im Rahmen des Clusters die “Cluster-Treffs” - bei den Akteurten vor Ort - mit 20 bis maximal 50 Teilnehmern zu speziellen Themenbereichen organisieren. Auf unseren Veranstaltungen findet ein intensiver Gedankenaustausch und v.a. direkter und persönlicher Kontakt zwischen den Entscheidern der Branche statt. Die “wirklich wichtigen” Dinge spielen sich bei den Veranstaltungen neben den Fachvorträgen ab: Bei den Gesprächen in den Kaffeepausen und am Mittagstisch werden häufig neue Kontakte geknüpft oder konkrete Projekte auf den Weg gebracht. Wir nennen das “gesteuerten Zufall”.
Das Highlight in diesem Jahr stellt unser internationaler Kongress “Medizin Innovativ 2008. Zukunftsweisende Technologien und effiziente Strukturen” mit begleitender Fachausstellung dar, der von 9. bis 10. Juli im CCN Ost der Nürnberg-Messe stattfinden wird. Unser Kongress “Medizin Innovativ” ist für den Standort Süddeutschland von besonderer Bedeutung. Wir verstehen diesen Kongress mit ca. 120 Ausstellern als wichtige Ergänzung zu den großen internationalen Branchentreffs Medica in Düsseldorf und Arab Health in Dubai.
Im klassischen Cluster gibt es das Interessens-Dreieck Politik-Wirtschaft-Wissenschaft. Wo liegen die Schwerpunkte im Cluster Medizintechnik?
Wolfgang Sening: Gerade in der Medizintechnik sind Kooperationen zwischen Hochschulen, Kliniken und Unternehmen entscheidend; denken Sie nur an die Durchführung klinischer Studien. Zudem gibt es im Bereich der Medizin eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Patentanmeldungen. Das Gesamtsystem ist komplexer als in anderen Branchen und reicht von den Unternehmen über die Universitäten bis zu den Kliniken und Krankenversicherungen. Hier ist es entscheidend, alle Player frühzeitig zusammenzubringen. Dies ist ein entscheidender Faktor und hat das Forum MedTech Pharma erfolgreich gemacht.
Sehr geehrter Dr. Sening, was sind denn aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren in der Clusterarbeit und wie sehen die mittlelfristigen Ziele für den Cluster aus?
Wolfgang Sening: Die entscheidenden Faktoren sind das Personal und die Zeit. Als Clustermanagement muss man die richtigen Kontakte finden und auch aufrecht erhalten können. Man muss die Mitglieder im Netzwerk aktivieren können, denn ohne aktive Mitglieder geht gar nichts.
Zu unseren Zielen: Wir wollen weiter unser Veranstaltungsangebot ausbauen und Kooperationsprojekte fördern. Derzeit unterstützen wir mehr als 20 Projekte, u.a. auch über Cluster-Projektfonds der Bayerischen Staatsregierung. Die hohe Akzeptanz unseres Netzwerkes bei den Entscheidern der Branche spiegelt sich auch in einer stetig wachsenden Anzahl von Mitgliedern wieder. Das Forum MedTech Pharma soll vom Cluster durch stetiges Mitgliederwachstum profitieren, um einen langfristigen und dauerhaften Netzwerkeffekt zu erzielen. Wir sind und bleiben kundenorientiert und richten uns nach den Wünschen unserer Mitglieds-Organisationen.
* Clustermanager Dr. Wolfgang Sening studierte Biologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, wechselte anschließend in die Privatwirtschaft, ehe er als Forschungsmanager an die Universität zurückkehrte. Sening war auch Dozent an verschiedenen Einrichtungen; z.B. an der Hochbegabten-Akademie und den Berufsfachschulen & Beruflichem Fortbildungszentrum der Bayer. Wirtschaft, ehe er als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Forum MedTech Pharma stieß. Seit Juni 2006 ist Wolfgang Sening Manager des Clusters Medizintechnik.
(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2008
Tags: clustermodell, life sciences