13. Juni 2008

Experten-Interviews, Teil 12: Christian Buchmann, Wirtschaftslandesrat Steiermark

Seit 1995 gehören im österreichischen Bundesland Steiermark Cluster-Initiativen zur Wirtschaftsstrategie. Mittlerweile gibt es sieben Cluster und Netzwerke im Land und die Wirtschaftspolitik ist bestrebt, diesen Netzwerken auch eine internationale Perspektive zu geben. Als Landesrat für Wirtschaft, Innovation und Finanzen ist Dr. Christian Buchmann* der politisch Verantwortliche für die Cluster in der steirischen Landesregierung. Ein Gespräch über die Cluster-Strategie eines Landes.      

Die Steiermark gilt als “Mutterland der Cluster in Europa” und hat seit 1995, als der Autocluster ins Leben gerufen wurde, Erfahrung mit Clustern. Aus Ihrer Sicht als Wirtschaftspolitiker: Was haben die Cluster dem Land gebracht?

Christian Buchmann: Das Wirtschaftsressort des Landes Steiermark verfolgt eine Wirtschaftsstrategie, die den Titel “Innovation serienmäßig” trägt. Wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftsstrategie ist das Arbeiten in Clustern und Netzwerken. In der Steiermark gibt es sieben Cluster und Netzwerke (Automobilcluster, Werkstoffcluster, Humantechnologiecluster, Holzcluster, Umwelttechnologienetzwerk, Lebensmitteltechnologienetzwerk und das Netzwerk der Kreativwirtschaft), die für den Wirtschaftsstandort große Bedeutung haben. Die 46.000 Mitarbeiter in den Partnerunternehmen des Autoclusters erzielen zum Beispiel jedes Jahr einen Umsatz von 11 Milliarden Euro. Fast jeder 2. steirische Arbeitnehmer arbeitet in einem Betrieb, der in einem Cluster oder in einem Netzwerk organisiert ist. Abgesehen von diesen volkswirtschaftlich beeindruckenden Zahlen haben die Cluster zu einer signifikanten Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark geführt sowie eine nationale und internationale Standortprofilierung gebracht.

Mittlerweile fördert auch die EU die Cluster-Bildung offensiv, so dass z.B. in großen Ländern wie Deutschland seit zwei, drei Jahren vermehrt Cluster entstehen. Spüren die Clusterinitiativen aus einem kleinen Land wie Österreich hier einen “Wettbewerbsdruck”?

Christian Buchmann: Da die Europäische Union das Clusterkonzept als Teil ihrer Innovationspolitik sieht, werden die existierenden steirischen Cluster stärker in Richtung transnationaler Netzwerke entwickelt, um so im globalen Wettbewerb weiterhin gut aufgestellt zu sein. Erfolgreiche Clusterinitiativen wie der AC Styria, “Tripple Helix” in Schweden oder “Pôle de compétitive” in Frankreich stehen stellvertretend für dieses Konzept und dienen als Benchmarks. Der Wettbewerb fordert die steirischen Unternehmen und motiviert sie zu Höchstleistungen.

In Österreich war es lange Zeit schwer möglich, über Bundesländergrenzen hinweg Unternehmen und Projekte zu fördern. Was hat sich diesbezüglich geändert in letzter Zeit?

Christian Buchmann: Für eine Umkehr in der allgemeinen Einstellung war sicherlich die positive Entwicklung der Kompetenzzentren verantwortlich. Dort kennt die Zusammenarbeit keine Grenzen, so dass Partner aus anderen Bundesländern jetzt mit den in den steirischen Clustern verankerten steirischen Unternehmen vernetzt sind. Dass auch grenzübergreifende Cluster gut funktionieren, zeigt etwa der Life Science Cluster Austria, der den Auf- und Ausbau des Biotechnologiesektors in Österreich forciert.

Im Grunde sind zwei “Denkschulen” zu beobachten: Der Cluster als “Servicegesellschaft für die Unternehmen” oder der Cluster als “regionale Infrastruktur-Plattform für eine Branche”. Wie positioniert sich in diesem Spannungsfeld die steirische Wirtschaftspolitik?

Christian Buchmann: Die steirische Wirtschaftspolitik positioniert die Cluster und Netzwerke in beiden Bereichen. Die steirischen Clusterorganisationen sollen einerseits nahe am Kunden sein und den Unternehmen Nutzen stiften. Die Clusterorganisationen ermöglichen aber auch konzentriertes Vorgehen im Standortwettbewerb und treten so als Plattform für eine Branche auf. Internationale Präsentationen des Wirtschaftsstandortes Steiermark werden in der Steiermark vom Internationalisierungscenter (ICS) immer in Zusammenarbeit mit den steirischen Clustern und Netzwerken organisiert – so sind die steirischen Unternehmen stets eingebunden und können von diesem Service profitieren.

Cluster leben auch im Spannungsfeld von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Was macht für Sie, Herr Wirtschaftslandesrat, einen wirksamen Cluster aus?

Christian Buchmann: Ich sehe die Aufgabe der Politik darin, Chancen zu eröffnen, Stärken zu stärken und innovative Unternehmen zu unterstützen. Dass auch die wissenschaftlichen Institutionen immer wichtige Partner sind, macht die Exzellenz des Standortes Steiermark aus! Für die Bildung eines Clusters sollten also auf jeden Fall die volkswirtschaftliche Bedeutung, eine kritische Masse an Unternehmen sowie eine Ausprägung der universitären Landschaft gegeben sein. Es ist mein erklärtes Ziel, die Steiermark zur Meisterin der am Markt umgesetzten Innovationen zu machen. Dafür bedarf es Tripple I: Ideen, Initiativen und Innovationen.

* Der gebürtige Grazer Dr. Christian Buchmann studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und war von 2003 bis 2005 Stadtrat für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Graz. Seit 2005 ist er als Regierungsmitglied der steirischen Landesregierung zuständig für die Ressorts Wirtschaft, Innovation und Finanzen.  
     
 

(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2008

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