4. Juli 2008

Experten-Interviews, Teil 13: Detlef Terzenbach, Frankfurt Biotech Alliance

Kernpunkt des Frankfurter Clusterkonzeptes „Integrierte Bioindustrie“ ist es, über die gesamte Wertschöpfungskette der weißen Biotechnologie „die Kompetenzen von Wissenschaft und Industrie zu vernetzen und Verbundprojekte zu initiieren, aus denen marktfähige Produkte und Dienstleistungen hervorgehen“, so Projektleiter Dr. Detlef Terzenbach*. Der Fokus des Frankfurter Clusters liegt dabei auf Anwendungen in der Fein- und Spezialchemie.

Sehr geehrter Dr. Terzenbach, Sie befinden sich in der Startphase eines Clusters. Was waren die wesentlichen Strategien und Erfahrungen der ersten Monate als Clustermanager?

Detlef Terzenbach: Wir sind im Juni 2007 mit dem Grundansatz gestartet, die „weiße Biotechnologie“ zu fördern. Der Cluster ist eine klassische „Top-Down-Initiative“: Unser Frankfurter Clusterkonzept ist eines der fünf Sieger aus dem BMBF-Wettbewerb BioIndustrie 2021 und kann nun 5 Mio. Euro zur Förderung von Verbundprojekten zur Verfügung stellen. Da nicht alle Ressourcen über die gesamte Wertschöpfungskette im Land entwickelt sind, waren wir von Anfang an auch offen für internationale Kooperationen.

Wie sehen Ihre konkreten Erfahrungen in der Startphase aus?

Detlef Terzenbach: Es ist wichtig, die Schlüsselspieler der Branche an einen Tisch zu bekommen. Und in der Startphase ist es wichtig, das Projekt mit einem schlagkräftigen Team von drei bis vier Leuten – aus dem akademischen Bereich, der Industrie sowie einem erfahrenen Berater – vorantreiben zu können. Einerseits sollen natürlich die Unternehmen gefördert werden und einen Zugang zur Forschung bekommen, andererseits geht es auch darum, eine ganze Region zu entwickeln, Ressourcen zu bündeln und Standortmarketing zu betreiben.

Wie ist denn Ihre Erfahrung mit Kooperations-Projekten?

Detlef Terzenbach: Solche Projekte dauern und wir stehen erst am Beginn des Clusters. Wir haben jedenfalls drei Technologieplattformen installiert, aus denen heraus sich erste Projekte entwickelt haben. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind Biokatalyse, Fermentation und Aufreinigung in Fein- und Spezialchemie. Neben der Projektentwicklung ist eine weitere Hauptaufgabe die Organisation der Forschungsförderung allgemein: Das heißt, wir versuchen für die vorgestellten Projekte die geeigneten Förderinstrumente zu identifizieren.

Hessen hat verschiedene Initiativen im Biotech- und Life-Science-Sektor. Sehen Sie da Koordinierungsbedarf?

Detlef Terzenbach: Glücklicherweise stehen diese Initiativen nicht miteinander im Wettbewerb, sondern ergänzen einander wunderbar. Meiner Meinung nach brauchen Cluster ein höchst mögliches Maß an Selbstständigkeit und Überparteilichkeit. Wenn Koordinierungsbedarf besteht, erledigt sich das durch persönliche Begegnungen der Verantwortlichen der verschiedenen Netzwerke bei den Veranstaltungen der Branche. Man kennt sich, trifft sich und bespricht sich.

Was planen Sie für den Cluster kurz- und mittelfristig?

Detlef Terzenbach: Wir wollen die Experten in Sachen Forschungsförderung werden, sodass wir unser Know-how auch an Cluster-Externe weitergeben können. Mittelfristig soll in unserem Cluster ein interessantes Projekt-Portfolio entstehen und die Region soll sich als Zentrum für weiße Biotechnologie etablieren.

* Dr. Detlef Terzenbach ist Projektleiter des Clusters Integrierte Bioindustrie, der in organisatorischer Hinsicht von der Hessen Agentur betrieben wird.

(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2008

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