24. Februar 2009

Experten-Interviews, Teil 19: Kathrin Adlkofer, Norgenta Hamburg

Die Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH versteht sich als “länderübergreifende Projekt- und Servicegesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein zur Unterstützung der Life Science Aktivitäten in Norddeutschland”. Die Norgenta “bündelt, vernetzt und koordiniert die Life Science Aktivitäten für ein international wettbewerbsfähiges Cluster” in den Themenfeldern Biotechnologie, Medizintechnik und Pharmazie. Ein Gespräch mit Geschäftsführerin Dr. Kathrin Adlkofer über erfolgreiche Projekte und länderübergreifende Zusammenarbeit.

Sehr geehrte Frau Dr. Adlkofer*, Sie leiten die Norgenta, in der die Freie und Hansestadt Hamburg und das Bundesland Schleswig-Holstein ihre Life-Science-Aktivitäten bündeln. Sie sind Molekularbiologin mit internationaler wissenschaftlicher Karriere und waren verantwortlich für das Business Development eines Hamburger Biotech-Unternehmens. Wie erleben Sie die Unterschiede zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik?

Kathrin Adlkofer: Diese Sphären sind getrennt. Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gute Kommunikation zustande zu bringen, ist eine Kunst. Ich musste selbst komplett umdenken und als Wissenschaftlerin auch lernen, wirtschaftlich zu arbeiten. Grundsätzlich denke ich, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Politik noch enger kooperieren sollten. In unserem Fall ist es auch noch von zusätzlicher Besonderheit, dass die Bereiche auch länderübergreifend zusammenarbeiten müssen.

Welche Projekte waren bzw. sind besonders wichtig für den Erfolg von Norgenta?

Kathrin Adlkofer: Wir haben aktuell drei Projekte, die sehr zukunftsträchtig sind: Molekulare Bildgebung entwickelt sich zu einem großen Thema, im Entstehen ist auch eine Technologieplattform für Medikamentenentwicklung und im dritten Projekt geht es um das Zukunftsthema schlechthin, “Innovative, schonende Operationsmethoden“.

Diese Projekte sind eingebettet in unsere grundlegenden Aufgabenbereiche Standortvernetzung, Standortmarketing und Standortentwicklung. Natürlich unterstützen wir auch die bereits vorhandenen Projekte und Netzwerke und versuchen, möglichst umfassend die Akteure des Clusters zu integrieren.

Wie gehen Sie mit der Wirtschaftskrise um bzw. was merkt man davon im Cluster?

Kathrin Adlkofer: Derzeit merken wir von der Krise noch nicht viel, denn der Gesundheitsmarkt ist ein sehr stabiler Markt. Sie können auch nicht von heute auf morgen aufhören, kranke Menschen zu behandeln, nur weil Krise ist. Eines ist aber schon zu merken: Die Unternehmen - in unserem Cluster sind rund 600 Unternehmen organisiert - nehmen eine “Habt-acht-Stellung” ein.

Gerade im Life-Science-Sektor gibt es mittlerweile sehr viele Netzwerke und Cluster. Wie sollten diese Ihrer Erfahrung nach zusammenarbeiten?

Kathrin Adlkofer: Es ist etwa kaum jemandem bewusst, dass wir im Norden der zweitgrößte Medizintechnik-Cluster in Deutschland sind. Und es ist aus meiner Sicht enorm wichtig, dass wir mit anderen Regionen kooperieren. Im Bereich Biotech kooperieren wir sehr gut mit den Dänen und Südschweden und sind im Rahmen unserer Mitgliedschaft im ScanBalt Verbund intensiv mit dem gesamten Ostseeraum vernetzt. In der Medizintechnik ist die Kooperation mit dem süddeutschen Raum enorm wichtig. Denn eines ist auch klar: Einen internationalen Investor interessiert es relativ wenig, ob der Standort nun München oder Hamburg ist. Und für uns sollte es wichtig sein, dass die Investition nach Deutschland kommt.
 

* Dr. Kathrin Adlkofer ist Geschäftsführerin der Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH. Nach ihrem Studium der Molekularbiologie in Berlin, Harvard und Zürich zog es sie nach ihrer Promotion 1997 zunächst für weitere Forschungs- und Lehrtätigkeiten nach San Diego in die USA. 2000 wechselte sie in die Industrie und betreute im Business Development der Evotec AG u.a. strategische Allianzen des Hamburger Biotech-Unternehmens. Zuletzt war die mehrfache Segelweltmeisterin Geschäftsführerin der Technologietransfergesellschaft MediGate GmbH, einem Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, bevor sie im Februar 2005 die Geschäftsleitung der Norgenta übernahm. Die gebürtige Berlinerin ist verheiratet und hat einen Sohn.

(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2009

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