22. Dezember 2009
Experten-Interviews, Teil 23: Christian Holterhues, ikn2020 Niedersachsen
Über die Erweiterung regionaler Vernetzungsräume
Christian Holterhues* ist Leiter der Geschäftsstelle Osnabrück der niedersächsischen Cluster-Initiative “ikn2020“. Die Redaktion des Clusterblogs hat in einem E-Mail-Interview Fragen zum Hintergrund, den konkreten Projekten und zum Nutzen dieser Initiative für die Informations- und Kommunikations-Technologie-Branche in Niedersachsen gestellt …
Die IuK-Technologien sind eine klassische “Querschnittsmaterie” — das heißt, die eher klein strukturierten Unternehmen aus den Informations- und Kommunikationstechnologien sind in den unterschiedlichsten Branchen tätig. Wo liegen für Sie die Gemeinsamkeiten der IuK-Unternehmen?
Christian Holterhues: Als Querschnittsbranche ist der IuK-Wirtschaftsbereich ein Innovationstreiber für andere Themencluster. Maschinenbau und Landtechnik, Logistik, Lasertechnik, Gesundheit, Energie und viele weitere Branchen profitieren entscheidend von Innovationen im IuK-Bereich. Auch in Niedersachsen ist die IuK-Wirtschaft mit einem Gesamtumsatz von mehr als 8,5 Mrd. € und nahezu 80.000 Beschäftigten ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Damit ist diese Branche größer als der Maschinenbau und dabei mittelständisch geprägt; im Vergleich zu Industrieunternehmen wirkt sich das auch positiv auf die Zahl der Ausbildungsplätze aus. Die Kunden der niedersächsischen IuK-Wirtschaft sind ebenso überwiegend kleine und mittlere Unternehmen, die durch den hohen Innovationsfaktor der IuK-Unternehmen ihrerseits wieder fit gemacht werden für den nationalen und internationalen Wettbewerb.
Die Heterogenität der Unternehmen und die Tatsache, dass die “Big Player” der IuK-Technologie an sehr wenigen Plätzen europa- und weltweit konzentriert sind, führt dazu, dass es — im Vergleich zu anderen Branchen — sehr wenige “klassische Cluster” im IuK-Sektor gibt. Wie definiert die ikn2020 “ihr Clusterbild”?
Christian Holterhues: Im Wissen um das Erfordernis systematischer Information und Kommunikation in Clustern hat sich die IuK-Wirtschaft in Niedersachsen in den vergangenen Jahren regionale Vernetzungsräume erschlossen. In den verschiedenen Teilregionen des Bundeslandes Niedersachsen sind daher vielfältige IuK-Clusterinitiativen entstanden, die im Kern verbindet, dass sie vor Ort Kontakte zwischen den Unternehmen fördern und damit die regionale Wirtschaft voranbringen. Auf diesen bereits bestehenden Initiativen baut der Cluster-Ansatz der ikn2020 auf, indem er diese vernetzt: In der ikn2020 arbeiten erstmalig wirtschaftsfördernde Akteure aus acht niedersächsischen Regionen (Braunschweig, Emsland, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück), die im Wettbewerb stehen, in einem Netzwerk mit der Landesregierung zusammen. Diese acht Akteure repräsentieren die regionalen IuK-Cluster, in denen bereits erfolgreich IuK-Unternehmen in Netzwerken gebündelt werden. Dem Bottom-up-Ansatz entsprechend ist die ikn2020 ein landesweites Netzwerk, in dem die IuK-Wirtschaft über teilregionale IuK-Cluster integral in dieses Netzwerk eingebunden ist.
Wie sieht die inhaltliche und strategische Aufgabenverteilung zwischen den drei Geschäftsstellenleitern und den acht Clustermanagern in den Regionen aus? Liegen die Schwerpunkte eher in der Regional- oder in der Branchen-Entwicklung?
Christian Holterhues: Die Koordination der ikn2020 erfolgt durch das Steuerungsgremium, bestehend aus je einem Vertreter der acht kooperierenden Regionen. Dieses Entscheidungsgremium entscheidet über alle Belange der ikn2020 und koordiniert die teilregionalen und landesweiten Aktivitäten. Der regionale Clustermanager als Mitglied des Steuerungsgremiums leistet „vor Ort“ die fachliche Arbeit, vertritt seine Region in der ikn2020 und baut somit die landesweite Vernetzung auf. Die drei Geschäftsstellen in Hannover, Oldenburg und Osnabrück initiieren, organisieren und koordinieren im Auftrag des Steuerungsgremiums diese regionalen Aktivitäten. Sie sind zudem Hauptansprechpartner für das niedersächsische Wirtschaftsministerium.
Die inhaltliche Ausrichtung der ikn2020 richtet sich nach aktuellen Themen der IuK-Wirtschaft und nach den jeweiligen Stärken der Regionen. Die ikn2020 hat in ihrer ersten Projektphase acht Leitthemen definiert, die von einem regionalen Clustermanager in Fachgruppen koordiniert werden. Ziel dieser Fachgruppen ist es, eine Austauschplattform bereit zu stellen, in der regionsübergreifend Konzepte, Projekte und Best-Practices erarbeitet werden. Aktuelle Branchenherausforderungen sollen so diskutiert und Lösungsansätze aufgezeigt werden, Pilot- und Demonstrationsvorhaben somit erkennbare Innovationen in den Markt tragen.
Für die ikn2020 gibt es nicht das einzige landesweite Thema. Vielmehr liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf regional relevanten, aber nicht zwingend landesweiten Themen. Die ikn2020 ist damit in ihrer Struktur und Zielsetzung so ausgelegt, dass die niedersächsischen Potentiale der IuK-Branche genutzt werden, um die regionale Wirtschaft weiter zu entwickeln.
Vielleicht können Sie uns kurz die spannendsten drei Projekte vorstellen, die Sie im Jahr 2010 verwirklichen werden …
Christian Holterhues: Der Philosophie der ikn2020 folgend ist ein Projekt dann ein Leuchtturmprojekt, wenn mindestens zwei Regionen der ikn2020 beteiligt sind. 2010 führen die einzelnen Fachgruppen die bereits 2009 erfolgreich begonnene operative Arbeit fort, um gemeinsame Projekte zu initiieren und zu begleiten. Ein Schwerpunkt neben weiteren wird dann z.B. in der Entwicklung ganzheitlicher Lösungen für Strom- und Wärmeeffizienz im Wohnbereich liegen, an dem mehrere Regionen und Forschungseinrichtungen der ikn2020 beteiligt sind. Zudem liegt ein Fokus in der modellhaft regionalen Vernetzung von Leistungsanbietern im Bereich der Telemedizin. Die ikn2020 fördert damit den Einsatz innovativer Informationstechnologien in der Gesundheitswirtschaft. Den Herausforderungen und Chancen sozialer und geschäftlicher Nutzung mobiler Telekommunikations- und IT-Lösungen begegnet die ikn2020 ebenso durch Förderung neuer Geschäftsmodelle, z.B. im Bereich der Multi-Service-Netze und Local Social Networks.
Flankiert werden die thematischen Projekte durch Veranstaltungsformate wie Branchentreffs, Round Tables und Workshops, in denen das gezielte Matching der IuK-Dienstleistungsunternehmen mit den vielfältigen Bedarfen der KMU-Anwenderbranchen unterstützt wird. Ein gezieltes Standortmarketing über die Grenzen Niedersachsens hinweg möchte Niedersachsen auch in anderen Bundesländern und international als leistungsfähigen IuK-Standort präsentieren.
* Christian Holterhues ist seit September 2009 Leiter der Geschäftsstelle Osnabrück der niedersächsischen Clusterinitiative “ikn2020″. Der diplomierte Wirtschaftsgeograph studierte an den Universitäten Osnabrück und Santander (Spanien). Bereits im Studium lag sein Schwerpunkt auf der Analyse regionaler Clusterstrategien. Von 2008 bis 2009 war er bei der MFG Baden-Württemberg im Bereich des Cluster- und Kommunikationsmanagements tätig.
(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2009
22. Dezember 2009
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