15. Mai 2008

Experten-Interviews, Teil 8: Andreas Weißflog, timm Mittelhessen

Das im Oktober 2007 ins Leben gerufene „Kooperationsnetzwerk für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen und der Wetterau“ hat sich mittelfristig ehrgeizige Ziele gesteckt, so Clustermanager Dr. Andreas Weißflog*: „Wir wollen in fünf Jahren zum meist beachteten Medizincluster Deutschlands werden.“ Mit den Universitäten in Gießen und Marburg, der FH Gießen-Friedberg und den innovativen Unternehmen der Region zählt Mittelhessen heute schon zu den wichtigsten Medizinwirtschafts-Standorten Deutschlands.  

Sehr geehrter Dr. Weißflog, Sie befinden sich in der Startphase eines Clusters. Was waren die wesentlichen Erfahrungen der ersten Monate als Clustermanager?

Andreas Weißflog: Zuerst einmal war es wichtig, alle Akteure der Branche kennen zu lernen. Die Initiative zum Cluster ging von der Politik aus: Im Rahmen einer Medizintechnikstudie wurde das wirtschaftliche und wissenschaftliche Potenzial erhoben und daraus ergaben sich erste Ansatzpunkte für konkrete Projekte. Ausgangspunkt von timm (Technologie & Innovation Medizinregion Mittelhessen) waren die Hochschulen mit ihrem wissenschaftlichen Potenzial. Und es war das Ziel der Politik und Förderorganisationen, den Markt und die Innovationen aus den Forschungseinrichtungen auch für die regionalen Unternehmen zu erschließen.  

Stehen eher die Unternehmen oder die Universitäten im Vordergrund Ihrer Netzwerk-Aktivitäten und wie unterstützen Sie die Organisationen der Region ganz konkret?

Andreas Weißflog: timm soll vor allem den Unternehmen nützen. Die hessische Medizintechnikbranche liegt bei einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro und allein in der Region Mittelhessen arbeiten etwa 30.000 Menschen im Medizinwirtschaftssektor. Man darf auch nicht vergessen, dass in den privatwirtschaftlich organisierten Universitätskliniken Gießen und Marburg rund 10.000 Menschen beschäftigt sind; auch diese Organisationen sind wichtige Unternehmen für die Region.

Was wir konkret machen, das ist das Aufspüren, Koordinieren und Abwickeln von Projekten. Wir bringen die Ideen der Forscher mit umsetzungswilligen Unternehmen zusammen, evaluieren mögliche Förderprogramme und helfen bei der Einreichung – etwa zur „Gesundheitsregion der Zukunft“ oder für das Projekt „EPI RET; Sehprothese für erblindete Menschen“. Nach diesen ersten Erfahrungen wird es besonders wichtig sein, die Unternehmen und Organisationen bei dem Thema „Regulatory Affairs“ zu unterstützen: Das heißt, schon in der Startphase bei der Ideengenerierung und Projektplanung müssen die strengen europäischen Richtlinien für die Zulassung von Medizinprodukten und Arzneimitteln bedacht und integriert werden.

Wie sind Ihre konkreten Erfahrungen?

Andreas Weißflog: Die Clusterinitiative wird speziell von den Unternehmen sehr gut aufgenommen. Innerhalb der ersten sieben Monate konnten wir über 30 Unternehmen für unsere konkreten Projekte interessieren. Natürlich ist es gerade in der Startphase für das Clustermanagement wichtig, den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden: Die Politik erwartet sich in erster Linie die Sicherung von Arbeitsplätzen, die KMUs sollen von aktuellen Forschungsergebnissen profitieren können und die Wirtschaftsförderorganisationen erwarten sich eine Struktur-Verbesserung für die gesamte Region. 

Was planen Sie für den Cluster kurz- und mittelfristig?

Andreas Weißflog: Im Laufe dieses und des nächsten Jahres wollen wir natürlich weitere kleinere und größere Projekte in die Region holen. Von Vorteil ist dabei, dass wir mit der TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH, bei der timm angesiedelt ist, sozusagen „an der Quelle des Wissens“ sitzen, denn TransMIT ist der Patentverwerter der mittelhessischen Hochschulen. Gemeinsam können wir innovative Ideen somit rasch auf ihre technologische Tragfähigkeit ebenso wie auf deren Marktchancen prüfen.

Nachdem wir uns noch in der Startphase unseres Clusters befinden, sind wir auch offen für Ideen und Vorschläge zur Zielgestaltung direkt aus den Organisationen der Branche! Wichtig ist für uns auch, dass wir uns früh genug mit den Aktivitäten anderer Netzwerke koordinieren. Und in fünf Jahren wollen wir zum meist beachteten Medizincluster Deutschlands werden.

* Der Naturwissenschaftler Dr. Andreas Weißflog war vor seinem Eintritt bei timm in der Geschäftsführung eines Medizinprodukte-Herstellers in Hessen. Als Clustermanager im Kompetenznetzwerk timm ist Weißflog verantwortlich für Innovation in Kooperation mit den hessischen Hochschulen und für Kooperationsprojekte mit Unternehmen.

(c) Die Clusterlotsen, Franz Zuckriegl, 2008

home

Tags:

Haben Sie Anmerkungen?