16. Oktober 2008
Cluster in der Krise
Die spekulative Finanzwirtschaft macht bankrott, die geplatzten Phantasiewerte verhageln die realen Bilanzen der Banken und diese tun sich immer schwerer, an Geld zu kommen, das die Realwirtschaft – also jener Bereich, in dem Dienstleistungen und Produkte entwickelt, angeboten und verkauft werden – zum Arbeiten braucht. Willkommen in der Wirtschaftskrise.
Aber was hat all das mit Clustern zu tun?
Nun, Cluster sind Organisationen der Realwirtschaft. Und geht es einer Branche, z.B. aus konjunkturellen Gründen, schlecht, geht’s auch den jeweiligen Clustern nicht viel besser. Beispiel: Die Automobilindustrie. Viele “Auto-Cluster” müssen gerade mit der Krise umgehen. Und in solchen Situationen sollte sich ein Unternehmens-Verbund bewähren: Muss die Produktion gekürzt werden, können cluster-intern schneller Schulungen und Weiterbildungen organisiert werden (Unis, FHs, Bildungseinrichtungen sind meist mit an Bord des Clusterschiffes), der direkte Draht zu Politik und Förderorganisationen ist ebenfalls vorhanden, und gerade in Zeiten der Absatz-Krise können Unternehmen mehr Men-Power in Forschung & Entwicklung verschieben …
Schöne neue Clusterwelt?
Mitnichten. Natürlich unterliegt auch jeder Cluster (wie jede andere Organisation) Zyklen: dem eigenen Lebenszyklus, Branchenzyklen, Konjunkturzyklen. Und so geht’s in jedem Cluster auch mal abwärts. Das Interessante daran: Jetzt zeigt sich, welche Beziehungen wirklich tragfähig sind und wer tatsächlich wetterfest.
Richtig schlimm wird’s erst, wenn eine “allgemeine Krise” (wie etwa eine Finanz- und/oder Konjunkturkrise) auf eine ”spezifische Krise” (wie z.B. eine branchenbezogene Absatzkrise, aktuell etwa in der Autoindustrie) trifft. Das kann gefährlich werden für einen Cluster und die gesamte Region.
Ein Grund zur Panik?
Nein. Es sei denn, man betriebe eine wirtschaftliche Monokultur, denn, wie es so schön und richtig heißt: Auf einem Bein ist schlecht stehen. Jetzt geht es jenen Regionen gut, die ihre Stärken schon früh identifizeirt und entwickelt haben und nun mit mehreren Beinen spielen können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es auch in der aktuellen “Krisensituation” Unternehmen in Branchen gibt, die Mitarbeiter suchen und expandieren. Aber wie immer in einer Krise gehen positive Nachrichten sehr leicht unter.
Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.
Das meint
Franz Zuckriegl, Clusterlotse
Tags: cluster, clustermodell, wirtschaftsförderung, wirtschaftskrise
4. November 2008
[…] erleben wir gerade das Übergreifen der Krise der Finanz-Wett-Wirtschaft auf die Realwirtschaft. Welche Vorteile bieten Cluster Ihrer Meinung nach in wirtschaftlich schwierigen […]