27. November 2009

Regionales Kunststoff-Match

Das Zentrum der Kunststoff-Forschung in Österreich lag bislang an der Montanuniversität Leoben in der Steiermark, wo auch das PCCL Polymer Competence Center Leoben seinen Sitz hat. Mehr als die Hälfte der österreichischen Kunststoff-Industrie ist im Nachbarbundesland Oberösterreich konzentriert. Bis zum Vorjahr klappte die Zusammenarbeit der steirischen Forschungsstätten mit den Unternehmen aus dem restlichen Österreich. Seit etwas mehr als einem Jahr ist vieles anders.

Ein prominenter “Kunststoff-Professor” von der Montanuni Leoben wechselte an die Johannes-Kepler-Universität der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, wo – mit wesentlicher finanzieller Unterstützung eines Kunststoff-Konzerns — ein neues Kunststoff-Studium eingerichtet wurde. Mehr als 100 Studierende haben dieses neue Bachelor-Studium inskribiert, in Leoben gibt es aktuell rund 40 Anmeldungen; der Bedarf scheint also vorhanden. Karl Rametsteiner, Beiratsvorsitzender des Kunststoff-Clusters meint dazu: ”In der Steiermark hat es in den vergangenen sieben Jahren jährlich nur rund 15 bis 20 Master-Absolventen gegeben. Die Kunststoffindustrie braucht aber bundesweit 100 Fachkräfte.”

Linz wünscht sich also neben dem Bachelor- auch ein Kunststoff-Masterstudium. Studien an Universitäten werden aber wesentlich vom Bund finanziert und die Mittel sind endenwollend. Also läuft seit etwa zwei Jahren in Wien das Match “Steiermark gegen Oberösterreich”, “wissenschaftliche Tradition gegen junge (und alte) Wilde”, “Linz gegen Leoben”; es geht eben um viel Geld für Universitäten einerseits und Forschungszentren andererseits.

Die neuesten Entwicklungen: Am 29.10. 2009 erhielt das Polymer Competence Center Leoben (PCCL) den Zuschlag für ein so genanntes K1-Kompetenzzentrum im Spitzenforschungsprogramm COMET des Bundes. Am 20.11. eröffnete die OMV-Tochter Borealis ihr neues Kunststoff-Forschungszentrum in Linz, in das rund 50 Millionen Euro investiert wurden und in dem 350 ForscherInnen arbeiten.

Die Fragen lauten:

1. Gibt es Bedarf für zwei universitäre Standorte und Standorte angewandter Kunststoff-Forschung in Österreich?

2. Gibt es Möglichkeiten der Abstimmung oder gar Kooperationsmöglichkeiten zwischen Linz und Leoben?

3. Sind Know-how und finanzielle Ausstattung im Europa- und Welt-Vergleich ausreichend?

Haben Sie Anmerkungen?